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2010-11-18 DIE FEHLFARBEN, supp. DIE RADIERER live in der BROTFABRIK, FRANKFURT a.M. (HAUSEN)

Obwohl die Fehlfarben längst keine Neue Deutsche Welle-Band mehr sind, bestehen sie auch heute noch überwiegend aus Düsseldorfer Mitbegründern der NDW. Diese Präsenz des damaligen Pioniergeistes bewog vermutlich auch den Veranstalter dazu, eine der authentischsten NDW-Reunions ins Vorprogramm zu nehmen: Die Radierer.
Ich kam etwas zu spät, kurz nachdem die Radierer anfingen. Welch unverhofft-schöne Überraschung: Mein drittes Radierer-Konzert nach dem in der Darmstädter Oettinger Villa, wo ich Sänger C.B. sogar nach Hause fuhr, und dem im Frankfurter Club Das Bett.
Na, immerhin circa die Hälfte des geschätzten Publikums fand sich oben zu den Radierern ein und erlebte mit mir die Radierer mit alten und neuen Liedern in erneut anderer Besetzung: Mit neuem Gitarristen und leider ohne Keyboarderin Mitschiko, die immer im Kimono auf der Bühne stand. Das von ihr gesungene “Ein Ton” (eines meiner Lieblingslieder) fehlte somit natürlich. Mein anderes Radierer-Lieblingslied “Zerbrecht alle Platten” erntete dafür am meisten Applaus.
Das Publikum fand’s durchwegs gut, verhielt sich dennoch in Grenzen, was auch auf die Band übergriff. Manche im Publikum sangen einige Texte mit. Pech hatten die Radierer, als das Keyboard ausfiel, was eine längere Pause mit sich brachte. C.B. pfiff die Melodie zu "Angriff auf's Schlaraffenland" kurzerhand auf seinem Kazoo - was sicher eine absolute Seltenheit bleiben wird. Ich hatte die Band schon ausgelassener erlebt, fand’s aber insgesamt schön.

Viel zu früh mussten die Radierer von der Bühne, obgleich auch vorher schon klar war (flüsterte Kurt Dahlke einem Gast zuvor ins Ohr), dass die Fehlfarben schon um viertel vor Neun beginnen sollten. Erst schaute ich einfach nur zu. Im Publikum die vier Leute vor mir, die Platz für mindestens acht brauchten um noch nichtmal Pogo zu tanzen, waren mir sympathisch. Nur störten mich diese beiden Riesen etwas, die schräg-links vor mir ständig miteinander schwätzten, bis es mir reichte: Was dann folgte, riss mir erst das Bierglas aus der Hand, dann mich selbst ganz nach vorne, wo ich letztlich dann fast meine Besinnung verlor.
Die Fehlfarben live bringen von wichtigen Songs aus ihrer Frühzeit über dichte, neu arrangierte Psychedelic-Parts und krachigem Rock bis hin zu brandneuem, unveröffentlichten Material einen Hammer nach dem anderen. Eine großartige Band, insgesamt bestehend aus äußerst fähigen Musikern für den Liveeinsatz. Line-Up: Peter Hein (Voc), Uwe Jahnke (Git), Frank Fenstermacher (Keyboard, Saxophon, Percussion), Kurt Dahlke (Synths), Michael Kemner (Bass) und die unglaubliche Saskia von Klintzig an den Drums. Die Fehlfarben regen zum Denken UND zum Tanzen an. Zwischen den Stücken spricht Peter Hein vom Ratinger Hof, von bösen Pressereaktionen und setzt zu seiner persönlichen Anekdote an, die sein Jacket ihn mit Frankfurt verbindet, als ihm die Bassdrum einfach ins Wort fällt und das nächste Stück anzählt. Selbstironie und die Fähigkeit zum gesunden Umgang miteinander strahlen die Fehlfarben also auch aus. Sehr sympathisch. Es war wirklich eine Party, mit ausflippenden Leuten und glücklichen Gesichtern !
Und nachdem C.B. und seine reizende Bassistin am Merch hauptsächlich Fehlfarben-Artikel verkauften, traf ich nach 20 Jahren sporadischem Kontakt zum ersten mal persönlich Frank Fenstermacher und redete ein paar Takte mit Peter Hein.... Ein wunderschöner und inspirierender Abend... noch 2 Stunden vor Beginn wusste ich noch nichtmal ob ich überhaupt hingehen sollte ;-)))

Carsten Olbrich (2. Dezember 2010)

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Carsten Olbrich, Peter Hein

Frank Fenstermsacher, Carsten Olbrich